Engel für kleine Kenianer - mit 50 kg Schuhe und Unterwäsche nach Afrika

Beim Spielen mit den Kindern
Beim Spielen mit den Kindern

„Our Helena, our Helena!“ Mit riesiger Freude begrüßt eine ganze Horde kleiner Kenianer ihre Freundin aus der Oberpfalz. Fast eine Stunde lang muss Helena Pretzl Hände schütteln und den Waisenkindern Hallo sagen, die schon seit dem Morgen auf sie gewartet haben. Die 22-jährige Studentin aus Premberg hatte nach ihrem Abitur ein Freiwilliges Soziales Jahr in dem Kinderheim in Thika in Kenia – rund 50 Kilometer nordöstlich von Nairobi – absolviert. Das hat Eindruck hinterlassen: Seitdem macht sie sich jedes Jahr einmal mit viel Gepäck und Spenden auf den Weg zu ihren kleinen Freunden.

Mit Kindern im Busch
Mit Kindern im Busch

Das Geld für den Flug und die obligatorischen freiwilligen Unterkunftskosten von rund 700 Euro verdient sich Helena neben ihrem Studium in München. Angereist war sie diesmal mit über 50 Kilogramm Gepäck, das hauptsächlich aus Schuhen und Unterwäsche für die Kinder bestand. Aber auch Kugelschreiber, ein paar Kilo Wurst und Süßigkeiten sowie 2300 Euro an Spenden hatte sie dabei. Mit dem Geld erledigte sie zusammen mit Mother Fe vom Kinderheim vor Ort dringend notwendige Einkäufe. Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs standen auf der Einkaufsliste. Und das war jede Menge: Unter anderem gab es Stoff, Knöpfe und Wolle für neue Schuluniformen für die Kinder. Helena half den Frauen aus der Umgebung, die fast umsonst ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellten, anschließend beim Nähen mit. Jedes Kind hat jetzt mindestens eine komplette Uniform, bestehend aus Pulli, Hemd oder Bluse, Kleid oder Hose, Krawatte und Socken.

 

Die neuen Schuluniformen
Die neuen Schuluniformen

In der Schule des Heims wurde ein Ofen für die Schulküche gebaut. Bis dahin musste das Essen für alle Schüler nämlich am offenen Feuer gekocht und von den Kindern in einem riesigen Topf in die 400 Meter entfernte Schule getragen werden. Die Kosten für den Ofen beliefen sich auf rund 600 Euro. Neben den vielen organisatorischen Dingen hatte Helena noch Zeit, in der Schule ein paar Unterrichtsstunden zu halten und abends den Älteren bei den Hausaufgaben zu helfen. Abends heißt hier nach 20 Uhr. Denn die Schule ist gegen 17 Uhr zu Ende, und die meisten Kinder kommen erst gegen 18 Uhr nach Hause. Gegen 22 Uhr ist Bettruhe.

Der neue gemauerte Herd in der Schule
Der neue gemauerte Herd in der Schule

Bereits um 5 Uhr am Morgen heißt es für alle „raus aus den Federn“. Viele der Kinder im Heim sind Vollwaisen, die anderen von den Eltern schwer vernachlässigt oder missbraucht worden. Etliche haben auf der Straße gelebt, bis sie hier unterkamen. Die Kinder werden nicht mit 18 Jahren oder dem Abschluss der Schule in eine ungewisse Zukunft entlassen, sondern so lange betreut, bis sie wirklich auf eigenen Beinen stehen. Höchstes Augenmerk wird dabei auf Bildung gelegt. Denn Bildung ist der einzige wirkliche Weg aus der Armut.

Beim Einkaufen von Mehl, Salz ...
Beim Einkaufen von Mehl, Salz ...

Nach 14 Tagen des Organisierens, Einkaufens, Arbeitens, musste Helena diesmal die Zelte schon abbrechen, um sich wieder auf den Weg in die Heimat zu machen. Einen Luxus gönnte sie sich jedoch: Sie fuhr mit dem Landbus die 500 Kilometer lange Strecke zur Küste, um ein paar Tage am Meer auszuspannen. Die Fahrt mit dem Bus auf den von Löchern gesäten Straßen wäre jedoch eine andere Geschichte ...

 

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